Arschlochkinder

Juni 30, 2008

Irgendwie komme ich mir in letzter Zeit vor wie eine von jenen alten Weibern, die nicht anderes können, als über “die Jugend” zu lästern, aber über diese kleinen Monster her zu ziehen, die manche Eltern stolz als ihren Nachwuchs präsentierten, ist mitunter irgendwie notwendig, denn es sind schließlich auch Monster.

Aber der Mittermeier tat’s ja auch und nannte diese kleinen Monster “Arschlochkinder” und hatte riesen Erfolg damit. Vielleicht ist also was dran an den “Arschlochkindern”. Aber ich denke mittlerweile, dass es eher “Arschlocheltern” gibt.
Meist so etwa in meinem Alter und irgendwie weltfremd, was die Erziehung von Kindern und Rüchsichtnahme auf Mitmenschen angeht.

Ein Beispiel: Ein großer H&M in der Innenstadt, irgendwann am frühen Nachmittag, Umkleidekabine.
Ich gehe mit einer Jeans in der Hand in Richtung Umkleide, als mir eine Frau mit einigen Klamotten auf dem Arm entgegenkommt und mit einem dünnen Stimmchen sagt: “Komm, Marvin!”. Sie bertachtet, wie im Schlafwandel, die vielen schönen bunten Klamotten und schwebt an mir vorbei.
Ich denke mir nichts dabei, bis ich die Schwingtür einer Kabine auf mache. Da sitzt ein Baby im Strampler auf dem Boden. Alt genug, um aufrecht sitzen zu können, aber noch weit entfernt von irgendwelchen Laufübungen. Der Kleine lacht mich an. Das muss wohl Marvin sein. Ich möchte ja nicht übervorsichtig sein, aber er macht den Eindruck, als würde es ihm Freude bereiten unter den Kabinen, deren Wände nicht bis auf den Boden reichen, durchzukrabbeln. Mir solls recht sein, wenn er mich nackt sieht, wird ihm das sicher keinen Schock bereiten, aber andere könnten sich vielleicht durch ein Baby irgendwie unwohl fühlen, vor allem, wenn es so überraschend zwischen den Beinen auftaucht. Abgesehen von der Rücksicht den anderen Leuten in den Kabinen gegenüber, denke ich nur an zwei Sachen: Schwingtür und Babykopf. Etwas unschlüssig lächle ich Marvin an und halte die Tür fest, denn im Sitzen würde sie ihn sicher genau erwischen. Ich mache sie dann doch vorsichtig zu und schaue nach der Mutter und entdecke sie bei den Herrenhemden, einige Meter weg von den Umkleiden und sie könnte Marivn höchstens im Auge behalten, wenn sie einen Röntgenblick inklusive Adleraugenfunktion hat. Aus der Ferne höre ich noch ihr verträumtes: “Marvin….kommst Du, Schatz?”
Ich bleibe noch eine Weile bei Marvin stehen, denn ich bin neugierig, wie das ganze ausgeht und will auch nicht, dass der Kleine eine Platzwunde als erstes Andenken aus einem H&M mit nach Hause nimmt.
Mama erbarmt sich dann irgendwann und holt Marvin aus dem Kabinenwunderland ab und beginnt ihm wunderbar zu erklären, wieso Mama ihn geholt hat.
Irgendwie werde ich neugierig und schaue mir die zwei noch eine Weile an. Ein gut aussehender Mann kommt auf die beiden zu und nimmt den kleinen Marvin auf den Arm. Das ist dann wohl Papa. Er trägt seinen Sohn weit ausladend auf die Hüfte gestützt durch den H&M und schaut sich um. Ich beginne schon das Interesse zu verlieren, als Papa sich mit Marvin durch zwei Kleiderständer quetschen will. Er könnte etwas sagen oder einfach Marvin nur näher an seine Brust nehmen und hätte schon verhindert, dass sein Gegenüber halb in die dreiviertel langen Mäntel hechten muss oder Marvin mit der jungen Frau zusammen prallt.
Aber man hat ja ein kleines Kind. Da müssen die Anderen schon Verständnis haben, dass man so gestresst ist und nicht immer auf Andere oder das eigene Kind achten kann. Das müssen dann schon die Anderen machen. Wenn nicht, sind es egoistische Kinderhasser, die nicht wissen, was man heute so auf sich nimmt, wenn man sich für ein Kind entscheidet.

Keeping it true

Juni 30, 2008

Die eigene Unverwechselbarkeit ist manchem durchaus wichtig. Man ist sich bewusst, dass man nicht one of the crowd ist und möchte sich diesen sorgsam gepflegten Status beibehalten.

Natürlich gibt es auch die andere Seite, Menschen, denen es wichtig ist dazu zu gehören, sich im Strom zu bewegen wie ein Fisch und bei allen Trends Bescheid zu wissen, um nicht außen vor zu stehen.

Mal so zwei platte Kategorien.

Die eine Gruppe ist ständig auf der Suche nach etwas, sei es Musik, Kleidung, Kultur oder Kommerz, das sie von der anderen Gruppe möglichst deutlich unterscheidet.

Hier waren die ersten, die zu weite Hosen ohne Gürtel trugen, hier waren die ersten, die sich komplett schwarz im Stil des vorvorletzten Jahrhunderts kleideten, hier waren auch die, die zuerst fest stellten, dass man Musik auch völlig elektronisch gestalten kann.
Es wurden Zeichen gesetzt und neu definiert, wie die Kufiya, auch als “Palästinensertuch” bekannt oder der Mercedes-Stern zum Schmuck gemacht.

Egal, aus welchem kulturellen, modischen oder musikalischen Bereich diese Leute kamen, eines haben sie gemeinsam: Sie sind Trendsetter.

Auch, wenn selten die Intention dahinter steckt, dass aus einer Idee ein Trend wird, so sind doch meist diese Symbole der Andersartigkeit, die es dann irgendeine Modewelle auslösen und es so in die andere Gruppe, den Mainstream schaffen.

Coolhunter und Trendsucher werden von Firmen eigens angeheuert, um sich in den vielversprechendsten Vierteln einer Stadt herumzudrücken und die neuesten Symbole aufzuspüren, die wohl ein Trend werden können.

Gut sind sie und gut bezahlt werden sie, wenn sich ein Symbol, auf das sie setzen, wirklich ein gutes Zugpferd ist und einen solchen Trend hinter sich her zieht.

Eigentlich müssten sie bei diesen unfreiwilligen Trendsettern noch mehr verhasst sein, als die Massen, die ihnen folgen.
Immerhin wird diesen Originalen ein Stück ihrer Originalität genommen. Etwas, das eine persönliche Bedeutung für einen hat und sei es, dass man als erster auf die Idee gekommen ist, seine Chucks ohne Schnürsenkel zu tragen, weil der beste Kumpel für ein Jahr nach Amerika geflogen ist und er das Gleiche getan hat.

Wenn ein Trendsetter daraus einen Trend macht, wird das Symbol seiner Bedeutung beraubt, denn es wird von vielen getragen und was das gespenstischste ist:
Es wird oft getragen, ohne dass der Sinn dahinter bekannt ist.

Ich erinnere nur mal an chinesische Schriftzeichen als Tattoos!
Viele wussten nicht mal aus welcher Sprache das war, was sie sich da stechen ließen und bei manchen standen dann wirklich obszöne oder beleidigende Sprüche auf der Haut, weil man bloß einem Trend folgen wollte und sich nicht wirklich mit dem, was man wollte, auseinandergesetzt hat.

…da komm’ ich doch auf diese in Mangas ersaufenden “mata neeee!”- und “kaaawaaaiii”-Tussis, die Kajal verschwendend ihre Idole aus Japan anschmachten und sich für so emo, weltgewandt und absolut japanisch halten…

…ganbatte kudasai!

…aber ich greife vor.

Es gibt also jene, die wissen, was sie tun, jene, die daraus Profit schlagen und jene, die der Masse folgen.
Natürlich gibt es auch noch Mischlinge, die der Masse folgen und dennoch wissen, was sie tun oder sich ihre Perlen und Symbole auch aus dem Angebot der Masse zu fischen wissen, aber eine gewisse Feindseligkeit zwischen diesen gefühlten zwei Lagern gibt es immer irgendwie.

Man sehe sich nur die Diskussionen um die Emos an.
Viele winken ab und meinen, dass die meisten eh nur kleine Kiddies sind, die keinen Blassen von der Bewegung an sich haben und keine echten Emos sind.

Aber das liest man nicht nur bei Emos. Man kann das gleiche auch über jede andere Bewegung, Moderichtung oder Fans von bestimmter Musik lesen.

Die einen sind true, die anderen nur Mitläufer.

Die Masse als Hassobjekt.

An sich kann man ja einen gewissen Nestneid verstehen. Schon ätzend, wenn da plötzlich alle etwas toll finden, dass man vorher mit großer Liebe pflegen und vielleicht auch immer erst einmal suchen musste.
Oder überhaupt erst einmal finden.

Allerdings finde ich die Aussage eines NIN-Fans in einem entsprechenden Forum etwas albern, dass er seit der Veröffentlichung von “Only” kein NIN mehr hört, da zu viele Menschen NIN mögen und hören würden und er es scheiße findet.

Stellt sich die Frage, ob er die band dann überhaupt je mochte oder doch selbst ein jemand war, der anderen gefolgt ist und nur dachte, NIN hören sei ja soooo cool und ungewöhnlich

…und eine einzige über Männer:

1. Gemeinsam auf die Toilette gehen

Eine richtige Frau, die schon groß ist und ihr Röckchen heben kann, wird alleine auf die Toilette gehen.
Ausnahmen:

- Ein Prinzesschen ist unter den anwesenden Damen und braucht einfach die Aufmerksamkeit und Pflege und fragt daher nach einer Eskorte.
- Eine der anwesenden Damen war zuvor noch nie hier und hat absolut keinen Orientierungssinn. Sie muss eventuell mehrmals zur Toilette geführt werden, denn das einprägen neuer Wege ist ein anstrengender Prozess.
- Eine der anwesenden Damen hat Interesse an einem der anwesenden Herren und möchte die Schwester der Herren ausfragen, ob Annäherungsversuche sinnvoll sind.

2. Die übervolle Handtasche

Die meisten Damen haben verschiedene Handtaschen in verschiedensten Größen.
Theoretisch sind sie also in der Lage auch nur wenige Objekte in einer winzigen Handtasche unterzubringen, wobei man immer wieder überrascht ist, wie viel Zeug in eine Winztasche passen.
Da es verschiedene Anlässe gibt zu denen verschiedene Handtaschen gepackt werden müssen, gibt es auch große Unterschiede in der Befüllung, was z.B. einen normalen Wochentag oder eine wochenendliche Verabredung angeht.
Wir wollen der Einfachheit halber von einem normalen Tag ausgehen:

- I-Pod oder ähnliches portables Musikwiedergabegerät inklusive Kopfhörer. Dient zur Abschottung von unangenehmen Personen in den öffentlichen Nahverkehrsmitteln und zur Unterhaltung der Besitzerin.
- Portmonnaie. Nicht nur zum Transport von Bankkarten und Geld geeignet, auch Visitenkarten, Kundenkarten, eventuell Fotos der ganzen Familie und Tonnen von Zetteln und Quittungen finden hier ihren Platz.
Überreicht man einer Frau die eigene Nummer auf einem Zettel, dann kann ein nicht kommender Anruf ihrerseits auch bedeuten, dass der Zettel in ihrem Portmonnaie von den Quittungen niedergemäht wurde, bevor die Einkaufslisten etwas dagegen tun konnten.
Gerne benutzen Frauen Kellnerportmonnaies. Dies ist kein Muss, allerdings sollte eine Damenbörse eine gewisse Größe, die von Männern vielleicht schon als unanständig empfunden werden würde, nicht unterschritten werden.
- Timeplaner. Muss nicht immer das teure Filofax sein, manche nutzen auch ihr Handy und können wirklich mit den Funktionen umgehen, aber irgendeine Art von Kalender in den wichtige Termine eingetragen werden können, wie der Geburtstag der Freundin einer Bekannten, die man eigentlich überhaupt nicht leiden kann, ist ein Muss.
- Handy. Wer kann heute noch ohne?
- Kosmetische Artikel. Manche Frau nimmt nur einen Lippenstift oder ein Parfum mit, eine andere das halbe Warenangebot des nächsten Douglas, aber irgendein Dingelchen mit dem sich die äußere Erscheinung aufwerten lässt, muss in der Tasche zu finden sein.
- Taschentücher. So unglaublich vielseitig einsetzbar, da muss mindestens eine Packung vorhanden sein: Zum Abschied winken, verlaufene Mascara weg wischen, unbequeme neue Schuhe damit auspolstern oder auch einen BH, Pastasauce von der tollen weißen Bluse wischen, sich in die Ohren stopfen, wenn’s mal wieder zu laut um einen wird oder sich auch einfach die Nase damit putzen.
- Lesestoff. Nicht bei jeder Frau zu finden und hängt auch mit der Strecke, die per öffentlichen Nahverkehrsmitteln zurückzulegen ist, dem Bildungsgrad der betreffenden Frau und der schwere der Tasche zusammen.
Wenn er denn in der Tasche zu finden ist, dann kann er aus allem Möglichen bestehen: Vom Manga, über einen Rosamunde Pilcher-Roman, bis hin zum neusten Meisterwerk von Pynchon oder dem Erstling von Camus.
Selten sind Magazine in einer Tasche zu finden, da deren Format einfach zu unpraktisch ist, da es entweder die Tasche sprengt oder die schöne Form der Tasche.
- Schlüssel. Hier scheint sich langsam verbreitet zu haben, dass man Schlüssel in Taschen schneller findet, wenn sie möglichst reich mit schmückenden Anhängern behängt und man so das Verdrängungsvolumen in der Tasche des Gesamtwerkes deutlich erhöht.
Also je dicker der Schlüsselbund, desto schneller in der Tasche gefunden, was zu einer Batterie an Stofftierchen verschiedenster Art am Schlüsselbund bis hin zu Billardkugeln oder Flaschenöffner führt.
- Obs oder Binden.
- Diverse wichtig erscheinende Gegenstände. Diese Gegenstände sind sehr individuell und von Frau zu Frau verschieden. Sie werden mitgeschleppt, weil frau irgendwann mal in einer Situation war in der sie besagten Gegenstand gebraucht hätte und seitdem immer mit sich rumschleppt….oder mitunter auch nur, um anwesenden Männern Rätsel aufzugeben (”Wieso hat die jetzt einen 5 Teiligen Doppel-Ratschenringschlüssel-Satz in ihrer Tasche?”).
Es können kleine Taschenlampen, Messbänder, Wasserwagen, Schraubenzieher oder Mullbinden sein.
Auffällig hierbei ist, dass es meist Gegenstände aus dem Heimwerkerbereich oder der Ersten Hilfe sind.
- Diverse unwichtig erscheinende Gegenstände.
Wurden meist beim Umpacken der Tasche irgendwie darin vergessen und können Glücksbringer sein oder Dinge, die man eigentlich von der Freundin geliehen hatte und ihr sie letztes Mal mitbringen wollte, aber eben beim Umpacken der Tasche vergessen hatte.

3. Die Schuhe

Ja, es ist wirklich so: Damenschuhe sind entweder bequem, wenn sie 10cm hoch oder flach sind.
Ehrlich, es gibt richtig hohe Highheels auf denen Damen sogar rennen können, aber wehe, es sind so unbequeme Mistlatschen, dann kann das Gejaule schon vor der Disse los gehen.
Natürlich braucht man als Frau Schuhe in mindestens vier verschiedenen Farben, das gilt auch für Gothic-Damen, auch wenn es dort nur verschiedene Abstufungen von Schwarz sind. Es muss ja zu jeder Gelegenheit und zu jedem Outfit passen.
Die Art der Schuhe ist auch entscheidend und dort wird es gleich mal unendlich: Highheels mit Riemchen, als Peeptoe, als Mary Janes oder einfach Pumps, genauso Ballerinas in all diesen Variationen, Slip Ons, Chucks, als High Tops oder normale Höhe, Sneaker als Trainers, Joints, Kicks oder Grips, Creepers, Boots oder Rangers, alles auch gern als Stiefel oder einfache FlipFlops, flache Sandalen oder Segeltuchschuhe.

Frauen sind einfach nur ein Opfer der kulturell-geschichtlichen Entwicklung. Bei ihnen gilt es nun mal als angemessen hohe Schuhe oder sonstigen Varianten bequemen Schuhwerkes zu tragen.
Aber es scheint auch seine Vorteile zu haben:

“Ich weiß nicht, wer die hohen Absätze erfunden hat, aber alle Frauen verdanken ihm eine Menge.” - Marilyn Monroe

4. Phobie

Jede Frau pflegt mindestens eine Phobie.
Klassiker sind hierbei Ratten und Spinnenphobieen, die allerdings ein wenig aus der Mode gekommen sind, da es immerhin auch viele Frauen gibt, die sich diese possierlichen Tiere auch gern als Haustier halten.
Ersatzweise gibt es Aufzugs- oder Flugangst, Platzangst, Angst vor großen und/oder kleinen Hunden, Angst vor bestimmten Personen mit oder ohne Hut, Prüfungsangst und alles Andere, was man auf griechisch übersetzen und das Wort “Phobie” anhängen kann.

Einem bestimmten Zweck muss das Ganze nicht dienen, Frauen ist es immerhin gesellschaftlich gestattet zu ihren Ängsten zu stehen, es kann allerdings auch hilfreich sein, um sich verletzlich und ein wenig hilflos/beschützenswert darzustellen, was bei 97,45% aller Männer zieht.

5. Liebesfilme

Wecken bescheuerte Erwartungen und setzen Idealvorstellungen von Beziehungen in weiblichen Köpfen fest, die unter normalen Betrachtungsweisen außerhalb des Kinos als total krank angesehen werden würden.
Seltsamer Weise finden auch immer mehr Männer gefallen an Liebesfilmen, was entweder bedeutet, dass sie eine neue Masche für sich entdeckt haben oder genauso irrationalisiert werden möchten, wie die Frauen um sich herum.

6. Hormone

Können unter Umständen wirklich dazu führen, dass sich Frauen hässlich/dick/doof etc. fühlen, man sollte sie aber auf KEINEN Fall darauf ansprechen!
Fragen wie: “Na, bekommst Du bald wieder Deine Tage?” mögen zwar den Nagel auf den Kopf treffen und auch das merkwürdige Verhalten, dass eine Frau an den Tag legt, erklären, aber wer sie stellt, der muss mit den Konsequenzen klar kommen.
Er wurde hier ausdrücklich gewarnt!

7. Die Zeit im Bad

Hier gibt es enorme Unterschiede. Dass es lange dauert sich zu schminken trifft nur auf ungeübte junge Mädchen zu, die noch nicht mit ihrem Werkzeug umgehen können oder auch geübte Veteraninnen des Lidstrichs, die neue Kniffe ausprobieren möchten, aber sonst kann man sagen, dass das Schminken im durchschnitt die Hälfte der Zeit kostet, die ein Mann braucht, um sich zu rasieren.
Duschen sollte auch nicht wirklich lange dauern, hier weiß Frau genau welches Produkt wo angewendet wird und nur klemmende Probentütchen, die sich mit nassen Händen nicht aufreißen lassen, können die Prozedur verlängern.

Das Einzige, was Frauen wirklich lange zeit im Bad fest hält sind ihre Haare.
Hat eine Frau Locken, so muss sie diese Irgendwie herausfönen, hat sie glatte Haare, so schwingt sie den Lockenstab um einige wenige hineinzubekommen.
Sind die Haare kurz, muss alles exakt mit Haarwachs oder Gel in Form gebracht werden, sind die Haare lang, müssen sie auf jeden Fall trocken sein oder zu kunstvollen Objekten gesteckt oder geflochten werden, damit man sich nicht erkältet.

Allerdings sei anzumerken, dass Männer oft länger im Bad brauchen, da hier ihr verletzlichster Ort ist:
- Sind mir Haare ausgefallen?
- Habe ich graue Haare?
- Wo sind meine Muskeln, ich trainiere doch die ganze Zeit?
- Ist mein Dingelchen auch groß genug?
- Sehe ich noch jung und knackig aus?

Um alle diese Fragen positiv beantworten zu können werden im Bad verschieden Mittel und Methoden angewandt. Diese führen dazu, dass Männer im Bad immer länger brauchen.

Vielleicht hält sich auch die Erinnerung an Zeiten, als Frauen noch lernten mit Puder umzugehen und deshalb länger im Bad brauchten.
Es wird einmal gespeichert: “Frau = lange im Bad!”, die dann auch Jahre später noch abgerufen wird.

Die eine Wahrheit über Männer:

Sie sind wehleidig!

Ich werde wach…

…wobei es das irgendwie nicht ganz trifft.

Ich bin plötzlich da, von dort gekommen, ganz plötzlich hier.

Schlecht geht es mir nicht, ich fühle mich gut, habe keine Schmerzen, habe keine Angst, nichts beunruhigt mich.

Ich sehe nur schwarz, aber auch das ist nicht alarmierend, denn ich muss nur daran denken, dass dieses Schwarz wohl ein ganz dunkles Rot sein muss, denn es scheint mir so, als wäre es einmal rot gewesen.

Ich komme auf die Idee, dass es genau die gleiche Farbe ist, die man bei geschlossenen Augen und ein wenig Licht draußen sieht.

Oder besser: Wahrnimmt.

Ich frage mich, ob meine Augen wohl offen sind und will sie öffnen, doch…

…sie sind weg.

Ich finde das ganze immer noch nicht beunruhigend oder besorgniserregend, es ist eher ein Gefühl, wie das, das man hat, wenn man zwar die Schlüssel gleich nicht findet, aber sich absolut sicher ist, dass man sie im Wohnzimmer auf dem Tisch gesehen hat.
Man muss nur hingehen und sie holen, sie sind nicht wirklich weg.

So fühle ich mich, als ich merke, dass meine Augen nicht da sind.

Ich habe mal eine Zeit lang diesen ganzen autogenen Trainingskram mitgemacht. Entspannungsübungen und sich selbst einreden, wie warm doch das Brustbein ist, bis man es glaubt zu spüren.

Ich muss daran denken und versuche mir vorzustellen, wie ich meinen Augenlidern den Befehl gebe sich zu öffnen.
Normalerweise fühlt man ja nicht, wie die elektrischen Impulse über die Nerven huschen, die die Befehle des Gehirns an die Körperteile weitergeben, aber ich versuche mir vorzustellen, wie sich das anfühlt, male mir aus, wie es aussieht, wenn sich die Lider heben, wie mich das Licht blendet…

…doch da sind keine Augenlider und keine Augen.

Ich versuche noch eine Weile diese Visualisierungstricks, doch dann schreibe ich meine Augen vorerst ab.

Ich werde sie später suchen.

Ich habe immer noch keine Angst, ich bin sicher, dass alles mit rechten Dingen zu geht, dass vielleicht etwas nicht ganz stimmt, aber es ist nichts Schlimmes.

Mir fehlen einfach nur meine Augen und meine Augenlider.

Ich mache mich auf den Rest meines Körpers zu inspizieren, ob noch etwas fehlt.

Wenn etwas kaputt geht oder etwas zerstört wird, dann muss man kontrollieren, was einem noch zu Verfügung steht, welche Systeme noch intakt sind, welche Routen in Krisengebieten noch zu befahren sind.

Solche merkwürdigen Gedanken habe ich, als ich versuche meine Arme zu bewegen.

Doch da sind keine Arme.

Ich spüre keinen Stoff auf meinen Armen, keinen Stein unter meinen Händen, keine Uhr an meinem Handgelenk und auch keine Ringe an den Fingern.

Ich kann meine Arme weder fühlen, geschweige denn bewegen, denn da sind keine Arme.

Erst als ich versuche meine Beine zu finden wird mir klar, dass ich nur Geist bin.

Ich bin nur meine Gedanken, meine Erinnerungen und meine Gefühle, ich habe irgendwo mein Außen eingebüßt und schwebe in diesem schwarzen Rot.

Wobei es “schweben” nicht trifft, denn um zu merken, dass ich schwebe, bräuchte ich einen Körper, ein Gleichgewichtsorgan, das wahrnehmen könnte, dass ich schwebe, doch all das habe ich nicht mehr.

Ich bin hier, weiß nur dass ich bin, weil ich denke und ich bin ganz allein.

Ich habe keine Hülle mehr, nur noch das, was einmal in der Hülle war und ich bekomme Panik.

Es ist eine seltsame Panik, denn mein Atem kann sich nicht beschleunigen, mein Puls nicht rasen und ich kann nicht schwitzen.

Ich kann nur schreien, doch es ist ein lautloses Schreien, der Versuch einer Seele ohne Körper zu schreien…

…bloß der verzweifelte Gedanke an einen lauten Schrei.

“Fakten aus einem Dampf von Nuancen kondensieren.”

Eine geniale Formulierung wie ich finde. Es geht darum, dass jemand die Fähigkeit hat aus dem Gesichtsausdruck, den Bewegungen Rückschlüsse auf das Befinden oder Empfinden einer Person zu ziehen.

In diesem Fall geht es darum, dass die Großmutter einer Frau nur durch drei Sätze der Enkelin und ein paar Blicke in ihr Gesicht sieht, dass die junge Frau schwanger ist.

Der Witz an dieser Frau ist, dass sie eine Figur aus einem Buch geht, dass als Inspiration für die Macher von Second Life gilt (Beleidigung für das Buch ) und hier in diesem Buch wurde auch das erste Mal der Begriff “Avatar” als Bezeichnung für ein grafisches Computeralias eines Users verwendet.

Die junge Frau arbeitet an den Gesichtern der Avatare. Sie und ihre Hacker-Freunde entwickelt die Software für die 3D-Avatare der “Straße”, was das Internet in der Realität dieses Romanes darstellt.
Second Life ist die popelige Kindergartenversion dieser “Straße” und die Avatare dort nur peinlich pixelige Abklatsche der Avatare aus dem Roman.

Die Hacker-Kumpels konzentrieren sich auf die Kollisionsabfragen, Körper und sonstige Aspekte der Software, aber die Frau will möglichst gute Gesichter bauen.
Warum sie das will, kann sie ihren Kollegen klar machen, wenn sie diese Geschichte von ihrer Großmutter erzählt, die ihr eben alles aus dem Gesicht ablesen konnte.

In der Gegenwart des Romanes ist diese Software fertig und vor allem japanische Geschäftsleute nutzen sie, wenn sie online Tacheles reden wollen.
Das können sie auch, was eigentlich nur an der jungen Frau und ihren Gesichtern liegt.

Nie wird einem in der Realität so klar, wie wichtig Gesichter sind bzw. Gesichtsausdrücke und Körpersprache, wenn man sich mit Leuten oft im TS unterhält oder nur den Chat im Spiel lesen kann.
Würde man nicht inflationär oft Smileys benutzen oder höflicher sein als im wahren Leben, die anderen hielten einen für einen riesen Arsch.
Wie schnell etwas falsch verstanden werden kann, wenn man sein Gegenüber nicht vor sich hat, fällt einem nie so deutlich auf, wie beim MMORPG.

In Snow Crash wird daraufhin gewiesen, auch wenn es bei weitem nicht das einzige Thema des Romanes ist.

Es geht auch um Neurolinguistische Programmierung, den urbanen Moloch in den sich die Großstädte der Welt verwandeln und die Möglichkeiten der Neuregulierung der entstehenden und schon vorhandenen Gruppen und sozialen Netzwerke.

Die Idee der “Burbklaven” die eine Art franchise gesteuertes Wohnmodell darstellen und von den unterschiedlichsten Autoritäten geleitet werden. So gibt es die Viertel der (italienischen) Mafia, der chinesischen Kapitalisten aus Hong Kong, mit Drogen handelnden Kolumbianer bis hin zu Neusüdafrikanischen Einrichtungen als Traum aller Neonazis.

Die Staatsbürgerschaft ist, soweit man den Aufnahmekriterien entspricht, mit einer einfach zu begleichenden Aufnahmegebühr zu kaufen. Genauso bieten die ausgeflipptesten Kirchen (”Wie die USA vor dem Kommunismus bewahrt wurden: Elvis erschoss JFK!”) gegen Gebühr einen Generalablass. Natürlich alles 24/7 und per Kreditkarte, denn der Dollar ist nach einer Hyperinflation bestenfalls noch als Klopapier zu gebrauchen.

Von den ehemaligen USA sind generell nur noch Reste übrige geblieben und die CIA und die Kongressbibliothek haben fusioniert und bieten Tonnen von Informationen über alles und jeden an, solange nur der Preis stimmt.

Im Roman folgt man dem Weg des Hackers und Schwerkämpfers Hiro Protagonist, der zuerst als Pizza-Bote für die Mafia arbeitet, seinen Job jedoch schnell los wird, als er sein Dienstfahrzeug in einem leeren Pool versenkt. Er begegnet einemaleutischen Souveränen mit einer Atombombe im Sozius seines Motorrades, einer ultra-katholischen Hackerin und den üblichen Verrückten der etwas merkwürdig anmutenden Zukunftsvision Stephensons.

Beim ersten Lesen fiel es mir schwer mich in diesem Universum zurecht zu finden, danach war allerdings die Faszination da und auch oft das Gelächter groß. Meine Ausgabe von Snow Crash ist mittlerweile ziemlich zerfrleddert und ich zähle den Roman zu meinen absoluten Lieblingen.