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Iron Man

28. Mai 2008

Was würde man von einer Comic-Verfilmung erwarten?
Realismus pur? Leute kommt, das wird doch wohl kaum einer denken oder?

Wenn die Worte „Marvel“ und „Stan Lee“ im Vorspann kommen, dann bedeutet das, dass man den Realismus mal Realismus sein lassen soll und sich auf die Geschichte und die Charaktere konzentrieren soll…ok und auf das KAAAAWUUUMMM!

Wenn’s der Regisseur nicht versaut!
Brett Ratner hat’s ganz schön versaut bei X-Men 3. Mann, war der schlecht! Ich liebe Comicverfilmungen, aber X3 wurde total versaut!
Man merkt, wenn ein Regisseur die Comics auf denen der Film basiert, ernst nimmt und sie nicht nur als Möglichkeit nimmt, um 100 Minuten oder mehr mit einer größeren Explosion nach der anderen zu füllen.

Gut gemacht haben es auf jeden Fall Brian Singer mit „X1″, „X2″ und Tim Burton mit „Batman 1 & 2″.
Guillermo Del Torro hat „Hellboy“ auch super hinbekommen und auf das Sequel diesen Sommer freue ich mich auch. Dass Robert Rodriguez mit Quentin Tarantinos Hilfe einen super Job mit „Sin City“ gemacht hat, muss man ja kaum noch erwähnen.
Und auch die Wachowski Brüder haben mit „V for Vendetta“ endlich wieder einen guten Film gemacht.

Bei „Iron Man“ schließlich hätte man viel falsch machen können: Einen Anti-Kommunismus-Comic mit einem Helden, der vielleicht noch leichter als die anderen ins Lächerliche abdriften könnte…er trägt immerhin einen goldenen und roten Kampfanzug.
Aber der Regisseur war mit Jon Favreau wohl gut gewählt und Marvel, das erste mal einen Film ganz ohne Studio produzierend, hat sich bei der Wahl des Darstellers mit Robert Downey Jr. einen riesen Gefallen getan.
Der Gute hatte zwar eine wechselhafte Geschichte hinter sich, die auch von Drogen und Alkohol geprägt war, aber dass er schauspielern kann hat er spätestens mit der Chaplin Bio bewiesen in der er die Hauptrolle spielte und dass er auch merkwürdigen Stoff spielen kann hat er mit „A Scanner Darkly“ gezeigt.

Am genialsten ist wohl die Anfangssequenz in der er als arroganter und egoistischer Waffenhändler mit einem Glas Bourbon in der Hand in einem Humvee der US-Streitkräfte durch afghanisches Krisengebiet düst.
Der Ghettoblaster ist voll aufgedreht und man könnte meinen, er wäre auf einer Party. Bis er von irgendwelchen Warlords gefangen genommen wird und von ihnen den Befehl bekommt eine seiner eigenen Waffen zu bauen oder sie würden ihn töten.

Er jedoch baut einen Kampfanzug mit dem er sich befreit und der eine Art Prototyp des Iron Man-Kampfanzuges ist.

Soweit mal worum es in etwa geht.

Marvel wäre nicht Marvel, wenn es bei dieser nach Action riechenden Story nicht auch um etwas mehr geht, als nur um Waffen und KAAAAWWUUUMM!

Immerhin ist die Hauptfigur ein lässiger Frauenvernascher, der in Geld schwimmt und absolut keine Skrupel und noch weniger Ehrgefühl besitzt.
Downey spielt das so wundervoll, dass man ihn seltsamerweise trotzdem irgendwie sympathisch findet.
Geläutert wird er eben durch die Erlebnisse in Afghanistan und kehrt auch dort hin zurück, um als Iron Man seine eigenen Waffen zu vernichten, die von seinem Firmen-Co-Chef ohne sein Wissen unter der Hand an Terroristen verkauft wurden.

Vielleicht wurde hier einfach der Kommunist als Feind durch den Terroristen der in irgendwelchen Höhlen hockt ersetzt, aber Iron Man geht es ja vor allem darum seine eigene Schuld wieder wett zu machen..

Mehr Sühne als Rache und deshalb und genau dann liebe ich Marvel: Wenn die Comics eine total unrealistische Umgebung wählen, in der sie eventuell kaum ernst genommen werden, aber dennoch ein breites Publikum erreichen, um Themen anzuschneiden, mit denen sich sonst vielleicht kaum einer der Leser beschäftigt hätte.

Man darf nicht vergessen, wann diese Comics das erste Mal veröffentlicht wurden.
Bei den X-Men-Filmen gibt es auf irgendeiner DVD ein Special mit einem Ian McKellen-Interview. Ian McKellen ist Magneto oder auch Gandalf.

Er sprach davon, dass die X-Men-Comics in ihrer Botschaft sehr reale Themen anschneiden, denn er könne sehr gut nachvollziehen, wie sich die Mutanten fühlten. Denn genauso wie sie, war auch er als homosexueller Mann lange Zeit (oder ist es auch immer noch) eine Art Freak, ein Aussenseiter, etwas, dass die Masse der Gesellschaft nicht versteht oder fürchtet, eben weil es so anders ist.

Man bedenke, X-Men erschien 1963 das erste Mal.
Ian McKellen ist Jahrgang 1939.

Verfilmungen von Marvel-Comics sind also kein Blödsinn oder Müll, vor allem, wenn der Regisseur gut ist und Stan Lee irgendwo auftaucht.

Ich habe ihn auch in „Iron Man“ gefunden, denn auf diesem Benefiz-Ball da…das war NICHT Hugh Hefner

A Scanner Darkly

28. Mai 2008

Endlich habe ich mich getraut und mir „A Scanner Darkly“ gekauft. Ein Name hat mich natürlich dazu bewegt: Philip K. Dick.

Von ihm stammt der gleichnamige Roman nach dessen Vorlage der Film verwirklicht wurde.
Sonst sind Dick-Adaptionen eine lustige Mischung von peinlichem Müll, Popcorn-Unterhaltung und Meilensteinen der Filmgeschichte: „Bladerunner“; „Minority Report“, „Total Recall“, „Matrix“ etc.

„A Scanner Darkly“ ist sicher in erster Linie ein Drogenfilm…und in zweite Linie paranoid. Wobei es da ja eigentlich keine Unterscheidung geben muss, viele Drogenabhängige werden in Drogenfilmen gerne mal paranoid.
Ich mag den Film. Strange, aber irgendwie vertraut, da ziemlich viele Filme, ob mit oder ohne Drogen, in der letzten Zeit einen mehr oder weniger starke paranoide Grundhaltung aufwiesen.

Massenpsychologie: Die Medien als kollektives Unterbewusstsein der Konsumenten. Spätestens seit „Trust no one“ ist die Maxime „Nur weil Du nicht paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind!“ eine Art heiliges Kulturgut der westlichen Welt.

Aber zurück zu „A Scanner Darkly“. Keanu Reeves, Robert Downey Jr., Woody Harrelson und Winona Rider wurden durch irgendein Verfahren zu Comicfiguren gemorpht. Steht dem Film gut und neckt das Auge. Mir gefällt’s, wer allerdings ein Bogen um Animiertes macht, der könnte entweder das kalte Gruseln bekommen oder die Gelegenheit nutzen, die bekannten Schauspielergesichter als Einstieg in die fließende Welt der animierten Filme zu nehmen.

Gut, dann noch etwas zum Inhalt:
Die US-Regierung hat eine neue Behörde ins Leben gerufen, deren Ziel die Bekämpfung einer neuen Droge darstellt, die in Amerika einen reißenden Absatz gefunden hat: Substanz T.

Diese Behörde gilt als Inbegriff der Undercoverarbeit, denn ihre Agenten setzen sogenannte „Jedermann-Anzüge“ ein, wenn sie sich in den Räumen der Behörde einfinden oder bei öffentlichen Auftritten, die dann aber wohl meist der Propaganda dienen.

Der Witz an diesen Anzügen ist, dass auf ihrer Oberfläche immer Stücke von Bildern von allen möglichen Personen gezeigt werden.
Von außen sieht dass dann so aus, dass die Person mit dem Anzug in einer Sekunde den rechten Arm eines dicken Bauarbeiters, den linken Arm einer jungen Kellnerin und den Kopf aus Stücken von vier anderen Köpfen hat und mit jeder weiteren Sekunde werden diese Bilder immer wieder neu gemischt.

Das kann einem beim Zusehen total irre machen, aber ist doch die Unerkennbarkeit absolut:
Wenn Du aussiehst wie all, dann bist Du keiner.

In „A Scanner Darkly“ geht es um Bob (Keanu Reeves), der ein solcher Agent ist.
Allerdings ist er auch abhängig von Substanz T und lebt mit seinen beiden Freunden, Barris (Robert Downey Jr.) und Luckman (Woody Harrelson) in seinem alten Haus in einer chaotischen Drogen-WG.

Haarige wird es, als sein Vorgesetzter ihm den Auftrag gibt, Bob zu observieren.
Er muss sich also selbst überwachen, da seine Vorgesetzten hoffen, über Bob an die Dealerin Donna (Winona Ryder) heran zu kommen, die Bobs Freundin ist.

Diese Freundin allerdings ist auch eine Undercoveragentin und will, dass Bob so sehr von Drogen zerstört wird, dass er Aufnahme in der Entzugsanstalt „NewPath“ erhält, die laut den neuesten Ermittlungen als Hersteller von Substanz T gilt.

Bob ist dann auch bald wirklich so fertig, dass er in eine „NewPath“-Einrichtung kommt, wo die Pflanzen gezüchtet werden, aus denen Substanz T gewonnen wird und er schafft es, eine von ihnen als Beweis einzustecken.

Immer wieder werden Andeutungen gemacht, dass noch mehr nicht ganz richtig ist in diesen USA, bei denen man auch nicht ganz genau weiß, ob sie eine USA der nahen Zukunft oder noch zusätzlich eines Paralleluniversums sind.
Menschen, die auf offener Straße verhaftet werden, werden von vermummten Männern in schwarzen Lieferwagen einkassiert und weggefahren und die allgegenwärtige Überwachung lassen nichts Gutes ahnen.

Es werden alle Elemente aufgegriffen, die in einem Dick-Roman nicht fehlen dürfen: Drogen, die Unsicherheit über die eigene Identität und Paranoia.

Wer mehr von Dick sehen will, kann entweder die anderen, schon genannten Filme ansehen, die auf Dick-Romanen basieren, aber in ihrer Umsetzung eigentlich nur noch wenig mit Dick zu tun haben, oder die Romane lesen.

Als Einstieg kann ich „Zeit aus den Fugen“ empfehlen. Ist nicht ganz so wirr und man erkennt, woher die Wachowskis ihre Inspiration für Matrix her hatten.