Was würde man von einer Comic-Verfilmung erwarten?
Realismus pur? Leute kommt, das wird doch wohl kaum einer denken oder?
Wenn die Worte „Marvel“ und „Stan Lee“ im Vorspann kommen, dann bedeutet das, dass man den Realismus mal Realismus sein lassen soll und sich auf die Geschichte und die Charaktere konzentrieren soll…ok und auf das KAAAAWUUUMMM!
Wenn’s der Regisseur nicht versaut!
Brett Ratner hat’s ganz schön versaut bei X-Men 3. Mann, war der schlecht! Ich liebe Comicverfilmungen, aber X3 wurde total versaut!
Man merkt, wenn ein Regisseur die Comics auf denen der Film basiert, ernst nimmt und sie nicht nur als Möglichkeit nimmt, um 100 Minuten oder mehr mit einer größeren Explosion nach der anderen zu füllen.
Gut gemacht haben es auf jeden Fall Brian Singer mit „X1″, „X2″ und Tim Burton mit „Batman 1 & 2″.
Guillermo Del Torro hat „Hellboy“ auch super hinbekommen und auf das Sequel diesen Sommer freue ich mich auch. Dass Robert Rodriguez mit Quentin Tarantinos Hilfe einen super Job mit „Sin City“ gemacht hat, muss man ja kaum noch erwähnen.
Und auch die Wachowski Brüder haben mit „V for Vendetta“ endlich wieder einen guten Film gemacht.
Bei „Iron Man“ schließlich hätte man viel falsch machen können: Einen Anti-Kommunismus-Comic mit einem Helden, der vielleicht noch leichter als die anderen ins Lächerliche abdriften könnte…er trägt immerhin einen goldenen und roten Kampfanzug.
Aber der Regisseur war mit Jon Favreau wohl gut gewählt und Marvel, das erste mal einen Film ganz ohne Studio produzierend, hat sich bei der Wahl des Darstellers mit Robert Downey Jr. einen riesen Gefallen getan.
Der Gute hatte zwar eine wechselhafte Geschichte hinter sich, die auch von Drogen und Alkohol geprägt war, aber dass er schauspielern kann hat er spätestens mit der Chaplin Bio bewiesen in der er die Hauptrolle spielte und dass er auch merkwürdigen Stoff spielen kann hat er mit „A Scanner Darkly“ gezeigt.
Am genialsten ist wohl die Anfangssequenz in der er als arroganter und egoistischer Waffenhändler mit einem Glas Bourbon in der Hand in einem Humvee der US-Streitkräfte durch afghanisches Krisengebiet düst.
Der Ghettoblaster ist voll aufgedreht und man könnte meinen, er wäre auf einer Party. Bis er von irgendwelchen Warlords gefangen genommen wird und von ihnen den Befehl bekommt eine seiner eigenen Waffen zu bauen oder sie würden ihn töten.
Er jedoch baut einen Kampfanzug mit dem er sich befreit und der eine Art Prototyp des Iron Man-Kampfanzuges ist.
Soweit mal worum es in etwa geht.
Marvel wäre nicht Marvel, wenn es bei dieser nach Action riechenden Story nicht auch um etwas mehr geht, als nur um Waffen und KAAAAWWUUUMM!
Immerhin ist die Hauptfigur ein lässiger Frauenvernascher, der in Geld schwimmt und absolut keine Skrupel und noch weniger Ehrgefühl besitzt.
Downey spielt das so wundervoll, dass man ihn seltsamerweise trotzdem irgendwie sympathisch findet.
Geläutert wird er eben durch die Erlebnisse in Afghanistan und kehrt auch dort hin zurück, um als Iron Man seine eigenen Waffen zu vernichten, die von seinem Firmen-Co-Chef ohne sein Wissen unter der Hand an Terroristen verkauft wurden.
Vielleicht wurde hier einfach der Kommunist als Feind durch den Terroristen der in irgendwelchen Höhlen hockt ersetzt, aber Iron Man geht es ja vor allem darum seine eigene Schuld wieder wett zu machen..
Mehr Sühne als Rache und deshalb und genau dann liebe ich Marvel: Wenn die Comics eine total unrealistische Umgebung wählen, in der sie eventuell kaum ernst genommen werden, aber dennoch ein breites Publikum erreichen, um Themen anzuschneiden, mit denen sich sonst vielleicht kaum einer der Leser beschäftigt hätte.
Man darf nicht vergessen, wann diese Comics das erste Mal veröffentlicht wurden.
Bei den X-Men-Filmen gibt es auf irgendeiner DVD ein Special mit einem Ian McKellen-Interview. Ian McKellen ist Magneto oder auch Gandalf.
Er sprach davon, dass die X-Men-Comics in ihrer Botschaft sehr reale Themen anschneiden, denn er könne sehr gut nachvollziehen, wie sich die Mutanten fühlten. Denn genauso wie sie, war auch er als homosexueller Mann lange Zeit (oder ist es auch immer noch) eine Art Freak, ein Aussenseiter, etwas, dass die Masse der Gesellschaft nicht versteht oder fürchtet, eben weil es so anders ist.
Man bedenke, X-Men erschien 1963 das erste Mal.
Ian McKellen ist Jahrgang 1939.
Verfilmungen von Marvel-Comics sind also kein Blödsinn oder Müll, vor allem, wenn der Regisseur gut ist und Stan Lee irgendwo auftaucht.
Ich habe ihn auch in „Iron Man“ gefunden, denn auf diesem Benefiz-Ball da…das war NICHT Hugh Hefner