Endlich habe ich mich getraut und mir „A Scanner Darkly“ gekauft. Ein Name hat mich natürlich dazu bewegt: Philip K. Dick.
Von ihm stammt der gleichnamige Roman nach dessen Vorlage der Film verwirklicht wurde.
Sonst sind Dick-Adaptionen eine lustige Mischung von peinlichem Müll, Popcorn-Unterhaltung und Meilensteinen der Filmgeschichte: „Bladerunner“; „Minority Report“, „Total Recall“, „Matrix“ etc.
„A Scanner Darkly“ ist sicher in erster Linie ein Drogenfilm…und in zweite Linie paranoid. Wobei es da ja eigentlich keine Unterscheidung geben muss, viele Drogenabhängige werden in Drogenfilmen gerne mal paranoid.
Ich mag den Film. Strange, aber irgendwie vertraut, da ziemlich viele Filme, ob mit oder ohne Drogen, in der letzten Zeit einen mehr oder weniger starke paranoide Grundhaltung aufwiesen.
Massenpsychologie: Die Medien als kollektives Unterbewusstsein der Konsumenten. Spätestens seit „Trust no one“ ist die Maxime „Nur weil Du nicht paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind!“ eine Art heiliges Kulturgut der westlichen Welt.
Aber zurück zu „A Scanner Darkly“. Keanu Reeves, Robert Downey Jr., Woody Harrelson und Winona Rider wurden durch irgendein Verfahren zu Comicfiguren gemorpht. Steht dem Film gut und neckt das Auge. Mir gefällt’s, wer allerdings ein Bogen um Animiertes macht, der könnte entweder das kalte Gruseln bekommen oder die Gelegenheit nutzen, die bekannten Schauspielergesichter als Einstieg in die fließende Welt der animierten Filme zu nehmen.
Gut, dann noch etwas zum Inhalt:
Die US-Regierung hat eine neue Behörde ins Leben gerufen, deren Ziel die Bekämpfung einer neuen Droge darstellt, die in Amerika einen reißenden Absatz gefunden hat: Substanz T.
Diese Behörde gilt als Inbegriff der Undercoverarbeit, denn ihre Agenten setzen sogenannte „Jedermann-Anzüge“ ein, wenn sie sich in den Räumen der Behörde einfinden oder bei öffentlichen Auftritten, die dann aber wohl meist der Propaganda dienen.
Der Witz an diesen Anzügen ist, dass auf ihrer Oberfläche immer Stücke von Bildern von allen möglichen Personen gezeigt werden.
Von außen sieht dass dann so aus, dass die Person mit dem Anzug in einer Sekunde den rechten Arm eines dicken Bauarbeiters, den linken Arm einer jungen Kellnerin und den Kopf aus Stücken von vier anderen Köpfen hat und mit jeder weiteren Sekunde werden diese Bilder immer wieder neu gemischt.
Das kann einem beim Zusehen total irre machen, aber ist doch die Unerkennbarkeit absolut:
Wenn Du aussiehst wie all, dann bist Du keiner.
In „A Scanner Darkly“ geht es um Bob (Keanu Reeves), der ein solcher Agent ist.
Allerdings ist er auch abhängig von Substanz T und lebt mit seinen beiden Freunden, Barris (Robert Downey Jr.) und Luckman (Woody Harrelson) in seinem alten Haus in einer chaotischen Drogen-WG.
Haarige wird es, als sein Vorgesetzter ihm den Auftrag gibt, Bob zu observieren.
Er muss sich also selbst überwachen, da seine Vorgesetzten hoffen, über Bob an die Dealerin Donna (Winona Ryder) heran zu kommen, die Bobs Freundin ist.
Diese Freundin allerdings ist auch eine Undercoveragentin und will, dass Bob so sehr von Drogen zerstört wird, dass er Aufnahme in der Entzugsanstalt „NewPath“ erhält, die laut den neuesten Ermittlungen als Hersteller von Substanz T gilt.
Bob ist dann auch bald wirklich so fertig, dass er in eine „NewPath“-Einrichtung kommt, wo die Pflanzen gezüchtet werden, aus denen Substanz T gewonnen wird und er schafft es, eine von ihnen als Beweis einzustecken.
Immer wieder werden Andeutungen gemacht, dass noch mehr nicht ganz richtig ist in diesen USA, bei denen man auch nicht ganz genau weiß, ob sie eine USA der nahen Zukunft oder noch zusätzlich eines Paralleluniversums sind.
Menschen, die auf offener Straße verhaftet werden, werden von vermummten Männern in schwarzen Lieferwagen einkassiert und weggefahren und die allgegenwärtige Überwachung lassen nichts Gutes ahnen.
Es werden alle Elemente aufgegriffen, die in einem Dick-Roman nicht fehlen dürfen: Drogen, die Unsicherheit über die eigene Identität und Paranoia.
Wer mehr von Dick sehen will, kann entweder die anderen, schon genannten Filme ansehen, die auf Dick-Romanen basieren, aber in ihrer Umsetzung eigentlich nur noch wenig mit Dick zu tun haben, oder die Romane lesen.
Als Einstieg kann ich „Zeit aus den Fugen“ empfehlen. Ist nicht ganz so wirr und man erkennt, woher die Wachowskis ihre Inspiration für Matrix her hatten.
Schlagworte: A Scanner Darkly, Film, Keanu Reeves, Winona Ryder, Robert Downey Jr.