“Fakten aus einem Dampf von Nuancen kondensieren.”

Eine geniale Formulierung wie ich finde. Es geht darum, dass jemand die Fähigkeit hat aus dem Gesichtsausdruck, den Bewegungen Rückschlüsse auf das Befinden oder Empfinden einer Person zu ziehen.

In diesem Fall geht es darum, dass die Großmutter einer Frau nur durch drei Sätze der Enkelin und ein paar Blicke in ihr Gesicht sieht, dass die junge Frau schwanger ist.

Der Witz an dieser Frau ist, dass sie eine Figur aus einem Buch geht, dass als Inspiration für die Macher von Second Life gilt (Beleidigung für das Buch ) und hier in diesem Buch wurde auch das erste Mal der Begriff “Avatar” als Bezeichnung für ein grafisches Computeralias eines Users verwendet.

Die junge Frau arbeitet an den Gesichtern der Avatare. Sie und ihre Hacker-Freunde entwickelt die Software für die 3D-Avatare der “Straße”, was das Internet in der Realität dieses Romanes darstellt.
Second Life ist die popelige Kindergartenversion dieser “Straße” und die Avatare dort nur peinlich pixelige Abklatsche der Avatare aus dem Roman.

Die Hacker-Kumpels konzentrieren sich auf die Kollisionsabfragen, Körper und sonstige Aspekte der Software, aber die Frau will möglichst gute Gesichter bauen.
Warum sie das will, kann sie ihren Kollegen klar machen, wenn sie diese Geschichte von ihrer Großmutter erzählt, die ihr eben alles aus dem Gesicht ablesen konnte.

In der Gegenwart des Romanes ist diese Software fertig und vor allem japanische Geschäftsleute nutzen sie, wenn sie online Tacheles reden wollen.
Das können sie auch, was eigentlich nur an der jungen Frau und ihren Gesichtern liegt.

Nie wird einem in der Realität so klar, wie wichtig Gesichter sind bzw. Gesichtsausdrücke und Körpersprache, wenn man sich mit Leuten oft im TS unterhält oder nur den Chat im Spiel lesen kann.
Würde man nicht inflationär oft Smileys benutzen oder höflicher sein als im wahren Leben, die anderen hielten einen für einen riesen Arsch.
Wie schnell etwas falsch verstanden werden kann, wenn man sein Gegenüber nicht vor sich hat, fällt einem nie so deutlich auf, wie beim MMORPG.

In Snow Crash wird daraufhin gewiesen, auch wenn es bei weitem nicht das einzige Thema des Romanes ist.

Es geht auch um Neurolinguistische Programmierung, den urbanen Moloch in den sich die Großstädte der Welt verwandeln und die Möglichkeiten der Neuregulierung der entstehenden und schon vorhandenen Gruppen und sozialen Netzwerke.

Die Idee der “Burbklaven” die eine Art franchise gesteuertes Wohnmodell darstellen und von den unterschiedlichsten Autoritäten geleitet werden. So gibt es die Viertel der (italienischen) Mafia, der chinesischen Kapitalisten aus Hong Kong, mit Drogen handelnden Kolumbianer bis hin zu Neusüdafrikanischen Einrichtungen als Traum aller Neonazis.

Die Staatsbürgerschaft ist, soweit man den Aufnahmekriterien entspricht, mit einer einfach zu begleichenden Aufnahmegebühr zu kaufen. Genauso bieten die ausgeflipptesten Kirchen (”Wie die USA vor dem Kommunismus bewahrt wurden: Elvis erschoss JFK!”) gegen Gebühr einen Generalablass. Natürlich alles 24/7 und per Kreditkarte, denn der Dollar ist nach einer Hyperinflation bestenfalls noch als Klopapier zu gebrauchen.

Von den ehemaligen USA sind generell nur noch Reste übrige geblieben und die CIA und die Kongressbibliothek haben fusioniert und bieten Tonnen von Informationen über alles und jeden an, solange nur der Preis stimmt.

Im Roman folgt man dem Weg des Hackers und Schwerkämpfers Hiro Protagonist, der zuerst als Pizza-Bote für die Mafia arbeitet, seinen Job jedoch schnell los wird, als er sein Dienstfahrzeug in einem leeren Pool versenkt. Er begegnet einemaleutischen Souveränen mit einer Atombombe im Sozius seines Motorrades, einer ultra-katholischen Hackerin und den üblichen Verrückten der etwas merkwürdig anmutenden Zukunftsvision Stephensons.

Beim ersten Lesen fiel es mir schwer mich in diesem Universum zurecht zu finden, danach war allerdings die Faszination da und auch oft das Gelächter groß. Meine Ausgabe von Snow Crash ist mittlerweile ziemlich zerfrleddert und ich zähle den Roman zu meinen absoluten Lieblingen.

Ghosts

April 29, 2008

Er hat es getan! Wie schon angekündigt bleibt Trent Reznor allen Plattenfirmen erstmal fern und veröffentlicht sein neues Werk auf seiner eigenen Seite. Die Bezeichnung “Werk” ist bei 36 Titeln absolut treffend, umso mehr, da es sich bei “Ghosts I-IV” ausschließlich um instrumentale Stücke handelt.

Wie ein Soundtrack zu einem ungewöhnlichen Film, so klingen die Stücke, allerdings ist die Art der Veröffentlichung fast noch ungewöhnlicher, als das was veröffentlicht wird: Praktisch über Nacht bieten Nine Inch Nails das neue Album in drei verschiedenen Versionen an. Für 5$ gibt es die light Version, die selbst schon einiges in sich hat: Man bekommt die 36 Tracks als Downloadlink, bei dem man zwischen 3 Daten-Formaten wählen kann inklusive eines Datenpaketes mit wunderschönen Wallpapern, dickem pdf-Booklet und einigen anderen Grafiken. Für 10$ bekommt man das Ganze auf zwei CDs zugeschickt, erhält aber den gleichen Link, wie bei der 5$-Version dazu geschickt. 75$ bezahlt man für das Deluxe Edition Paket. Hier erhält man eine wunderschöne Box mit den zwei CDs, einer DVD mit hochwertigem multisession Tracks zum selbst nach mixen (worum Trent schon seit einiger Zeit immer mal wieder herzlichst bittet) und eine blue ray Disc mit super tollen Audioeigenschaften von denen ich persönlich Null Ahnung habe, die einem aber auch noch mit einer Slide-Show die Tracks präsentiert. Dazu gibt’s noch ein Buch mit Aufnahmen von Phillip Gray und Rob Sheridan. Da ich mir kaum Namen merken kann, weiß ich nicht, ob ich jemals von den beiden gehört habe, aber die Bilder sehen großartig aus, also müssen sie wirklich gut sein.

Den obligatorischen Downloadlink erhält man mit dieser Version natürlich auch.

Aber das war noch nicht alles. Es gibt auch die super wahnsinns Monsterbox für 300$. Nun, eigentlich gibt es sie nicht mehr da sie seit Tagen ausvekauft ist und auf 2500 Stück limitiert war. Sie enthält erstmal das Gleiche wie die 75$ Version allerdings Ghosts I-IV nochmals auf vier LPs und zwei Kunstdrucke aus dem enthaltenen Buch. Drucke und LP bekommt man nur, wenn man diese Version von Ghosts I-IV ersteht, eine andere Art der Veröffentlichung für diese zwei Formate ist nicht geplant. Auch in dieser Version gibt es den Download dazu.

Zu der Musik ist zu sagen, dass man den typischen NIN-Stil sofort erkennt. Insgesamt sind es mehr ruhige Stücke und mitunter mag man den Gesang vermissen, allerdings ist diese Sehnsucht nach Trent’s Stimme zweispältig, da man jedem Stück anmerkt, dass es als Instrumental gedacht und konzipiert ist.

Mir persönlich gefällt diese neue Seite, die einen doch irgendwie an die instrumentalen Stücke von “The Fragile” denken lässt, die irgendwie in die “Year Zero”-Phase gerutscht sind.

Da Trent aber seine Fans wirklich lieb hat und Plattenfirmen ehrlich zu hassen scheint, hat er die ersten 9 Tracks inklusive Booklet als pdf, wallpapern und diversen Extras zum freien Download angeboten. Als es an den ersten Taggen zu Überlastungen seiner Page kam, hat er sie sogar bei einschlägigen Torrent-Seiten selbst hochgeladen!

Die Tracks stehen zudem noch unter einer Creative commons attribution non-commercial share alike-Lizent, man kann sie also für den nicht kommerziellen Bereich kopieren so oft man will.

Wer selbst einen Blick riskieren möchte, der sich meiner Meinung nach in jedem Fall lohnt, dem sei die offizielle NIN-Seite nur wärmstens empfohlen: http://www.nin.com