Wegweisend
3. Oktober 2008 von virtuelles_lichtDer dunkle Ritter
24. August 2008 von virtuelles_licht
„The dark knight“ wirft wortwörtlich einen Schatten vor raus.
Lustige Idee. Hätte aber auch eine Bacardi-Party sen können.
Grinsegesichter bei Nacht
23. August 2008 von virtuelles_lichtIch liebe Handygeknipse in der Nacht.
Sieht man die seltsamsten und witzigsten Dinge…
Arschlochkinder
30. Juni 2008 von virtuelles_lichtIrgendwie komme ich mir in letzter Zeit vor wie eine von jenen alten Weibern, die nicht anderes können, als über „die Jugend“ zu lästern, aber über diese kleinen Monster her zu ziehen, die manche Eltern stolz als ihren Nachwuchs präsentierten, ist mitunter irgendwie notwendig, denn es sind schließlich auch Monster.
Aber der Mittermeier tat’s ja auch und nannte diese kleinen Monster „Arschlochkinder“ und hatte riesen Erfolg damit. Vielleicht ist also was dran an den „Arschlochkindern“. Aber ich denke mittlerweile, dass es eher „Arschlocheltern“ gibt.
Meist so etwa in meinem Alter und irgendwie weltfremd, was die Erziehung von Kindern und Rüchsichtnahme auf Mitmenschen angeht.
Ein Beispiel: Ein großer H&M in der Innenstadt, irgendwann am frühen Nachmittag, Umkleidekabine.
Ich gehe mit einer Jeans in der Hand in Richtung Umkleide, als mir eine Frau mit einigen Klamotten auf dem Arm entgegenkommt und mit einem dünnen Stimmchen sagt: „Komm, Marvin!“. Sie bertachtet, wie im Schlafwandel, die vielen schönen bunten Klamotten und schwebt an mir vorbei.
Ich denke mir nichts dabei, bis ich die Schwingtür einer Kabine auf mache. Da sitzt ein Baby im Strampler auf dem Boden. Alt genug, um aufrecht sitzen zu können, aber noch weit entfernt von irgendwelchen Laufübungen. Der Kleine lacht mich an. Das muss wohl Marvin sein. Ich möchte ja nicht übervorsichtig sein, aber er macht den Eindruck, als würde es ihm Freude bereiten unter den Kabinen, deren Wände nicht bis auf den Boden reichen, durchzukrabbeln. Mir solls recht sein, wenn er mich nackt sieht, wird ihm das sicher keinen Schock bereiten, aber andere könnten sich vielleicht durch ein Baby irgendwie unwohl fühlen, vor allem, wenn es so überraschend zwischen den Beinen auftaucht. Abgesehen von der Rücksicht den anderen Leuten in den Kabinen gegenüber, denke ich nur an zwei Sachen: Schwingtür und Babykopf. Etwas unschlüssig lächle ich Marvin an und halte die Tür fest, denn im Sitzen würde sie ihn sicher genau erwischen. Ich mache sie dann doch vorsichtig zu und schaue nach der Mutter und entdecke sie bei den Herrenhemden, einige Meter weg von den Umkleiden und sie könnte Marivn höchstens im Auge behalten, wenn sie einen Röntgenblick inklusive Adleraugenfunktion hat. Aus der Ferne höre ich noch ihr verträumtes: „Marvin….kommst Du, Schatz?“
Ich bleibe noch eine Weile bei Marvin stehen, denn ich bin neugierig, wie das ganze ausgeht und will auch nicht, dass der Kleine eine Platzwunde als erstes Andenken aus einem H&M mit nach Hause nimmt.
Mama erbarmt sich dann irgendwann und holt Marvin aus dem Kabinenwunderland ab und beginnt ihm wunderbar zu erklären, wieso Mama ihn geholt hat.
Irgendwie werde ich neugierig und schaue mir die zwei noch eine Weile an. Ein gut aussehender Mann kommt auf die beiden zu und nimmt den kleinen Marvin auf den Arm. Das ist dann wohl Papa. Er trägt seinen Sohn weit ausladend auf die Hüfte gestützt durch den H&M und schaut sich um. Ich beginne schon das Interesse zu verlieren, als Papa sich mit Marvin durch zwei Kleiderständer quetschen will. Er könnte etwas sagen oder einfach Marvin nur näher an seine Brust nehmen und hätte schon verhindert, dass sein Gegenüber halb in die dreiviertel langen Mäntel hechten muss oder Marvin mit der jungen Frau zusammen prallt.
Aber man hat ja ein kleines Kind. Da müssen die Anderen schon Verständnis haben, dass man so gestresst ist und nicht immer auf Andere oder das eigene Kind achten kann. Das müssen dann schon die Anderen machen. Wenn nicht, sind es egoistische Kinderhasser, die nicht wissen, was man heute so auf sich nimmt, wenn man sich für ein Kind entscheidet.
Keeping it true
30. Juni 2008 von virtuelles_lichtDie eigene Unverwechselbarkeit ist manchem durchaus wichtig. Man ist sich bewusst, dass man nicht one of the crowd ist und möchte sich diesen sorgsam gepflegten Status beibehalten.
Natürlich gibt es auch die andere Seite, Menschen, denen es wichtig ist dazu zu gehören, sich im Strom zu bewegen wie ein Fisch und bei allen Trends Bescheid zu wissen, um nicht außen vor zu stehen.
Mal so zwei platte Kategorien.
Die eine Gruppe ist ständig auf der Suche nach etwas, sei es Musik, Kleidung, Kultur oder Kommerz, das sie von der anderen Gruppe möglichst deutlich unterscheidet.
Hier waren die ersten, die zu weite Hosen ohne Gürtel trugen, hier waren die ersten, die sich komplett schwarz im Stil des vorvorletzten Jahrhunderts kleideten, hier waren auch die, die zuerst fest stellten, dass man Musik auch völlig elektronisch gestalten kann.
Es wurden Zeichen gesetzt und neu definiert, wie die Kufiya, auch als „Palästinensertuch“ bekannt oder der Mercedes-Stern zum Schmuck gemacht.
Egal, aus welchem kulturellen, modischen oder musikalischen Bereich diese Leute kamen, eines haben sie gemeinsam: Sie sind Trendsetter.
Auch, wenn selten die Intention dahinter steckt, dass aus einer Idee ein Trend wird, so sind doch meist diese Symbole der Andersartigkeit, die es dann irgendeine Modewelle auslösen und es so in die andere Gruppe, den Mainstream schaffen.
Coolhunter und Trendsucher werden von Firmen eigens angeheuert, um sich in den vielversprechendsten Vierteln einer Stadt herumzudrücken und die neuesten Symbole aufzuspüren, die wohl ein Trend werden können.
Gut sind sie und gut bezahlt werden sie, wenn sich ein Symbol, auf das sie setzen, wirklich ein gutes Zugpferd ist und einen solchen Trend hinter sich her zieht.
Eigentlich müssten sie bei diesen unfreiwilligen Trendsettern noch mehr verhasst sein, als die Massen, die ihnen folgen.
Immerhin wird diesen Originalen ein Stück ihrer Originalität genommen. Etwas, das eine persönliche Bedeutung für einen hat und sei es, dass man als erster auf die Idee gekommen ist, seine Chucks ohne Schnürsenkel zu tragen, weil der beste Kumpel für ein Jahr nach Amerika geflogen ist und er das Gleiche getan hat.
Wenn ein Trendsetter daraus einen Trend macht, wird das Symbol seiner Bedeutung beraubt, denn es wird von vielen getragen und was das gespenstischste ist:
Es wird oft getragen, ohne dass der Sinn dahinter bekannt ist.
Ich erinnere nur mal an chinesische Schriftzeichen als Tattoos!
Viele wussten nicht mal aus welcher Sprache das war, was sie sich da stechen ließen und bei manchen standen dann wirklich obszöne oder beleidigende Sprüche auf der Haut, weil man bloß einem Trend folgen wollte und sich nicht wirklich mit dem, was man wollte, auseinandergesetzt hat.
…da komm’ ich doch auf diese in Mangas ersaufenden „mata neeee!“- und „kaaawaaaiii“-Tussis, die Kajal verschwendend ihre Idole aus Japan anschmachten und sich für so emo, weltgewandt und absolut japanisch halten…
…ganbatte kudasai!
…aber ich greife vor.
Es gibt also jene, die wissen, was sie tun, jene, die daraus Profit schlagen und jene, die der Masse folgen.
Natürlich gibt es auch noch Mischlinge, die der Masse folgen und dennoch wissen, was sie tun oder sich ihre Perlen und Symbole auch aus dem Angebot der Masse zu fischen wissen, aber eine gewisse Feindseligkeit zwischen diesen gefühlten zwei Lagern gibt es immer irgendwie.
Man sehe sich nur die Diskussionen um die Emos an.
Viele winken ab und meinen, dass die meisten eh nur kleine Kiddies sind, die keinen Blassen von der Bewegung an sich haben und keine echten Emos sind.
Aber das liest man nicht nur bei Emos. Man kann das gleiche auch über jede andere Bewegung, Moderichtung oder Fans von bestimmter Musik lesen.
Die einen sind true, die anderen nur Mitläufer.
Die Masse als Hassobjekt.
An sich kann man ja einen gewissen Nestneid verstehen. Schon ätzend, wenn da plötzlich alle etwas toll finden, dass man vorher mit großer Liebe pflegen und vielleicht auch immer erst einmal suchen musste.
Oder überhaupt erst einmal finden.
Allerdings finde ich die Aussage eines NIN-Fans in einem entsprechenden Forum etwas albern, dass er seit der Veröffentlichung von „Only“ kein NIN mehr hört, da zu viele Menschen NIN mögen und hören würden und er es scheiße findet.
Stellt sich die Frage, ob er die band dann überhaupt je mochte oder doch selbst ein jemand war, der anderen gefolgt ist und nur dachte, NIN hören sei ja soooo cool und ungewöhnlich
Beruht auf einer wahren Begebenheit…
16. Juni 2008 von virtuelles_lichtIch werde wach…
…wobei es das irgendwie nicht ganz trifft.
Ich bin plötzlich da, von dort gekommen, ganz plötzlich hier.
Schlecht geht es mir nicht, ich fühle mich gut, habe keine Schmerzen, habe keine Angst, nichts beunruhigt mich.
Ich sehe nur schwarz, aber auch das ist nicht alarmierend, denn ich muss nur daran denken, dass dieses Schwarz wohl ein ganz dunkles Rot sein muss, denn es scheint mir so, als wäre es einmal rot gewesen.
Ich komme auf die Idee, dass es genau die gleiche Farbe ist, die man bei geschlossenen Augen und ein wenig Licht draußen sieht.
Oder besser: Wahrnimmt.
Ich frage mich, ob meine Augen wohl offen sind und will sie öffnen, doch…
…sie sind weg.
Ich finde das ganze immer noch nicht beunruhigend oder besorgniserregend, es ist eher ein Gefühl, wie das, das man hat, wenn man zwar die Schlüssel gleich nicht findet, aber sich absolut sicher ist, dass man sie im Wohnzimmer auf dem Tisch gesehen hat.
Man muss nur hingehen und sie holen, sie sind nicht wirklich weg.
So fühle ich mich, als ich merke, dass meine Augen nicht da sind.
Ich habe mal eine Zeit lang diesen ganzen autogenen Trainingskram mitgemacht. Entspannungsübungen und sich selbst einreden, wie warm doch das Brustbein ist, bis man es glaubt zu spüren.
Ich muss daran denken und versuche mir vorzustellen, wie ich meinen Augenlidern den Befehl gebe sich zu öffnen.
Normalerweise fühlt man ja nicht, wie die elektrischen Impulse über die Nerven huschen, die die Befehle des Gehirns an die Körperteile weitergeben, aber ich versuche mir vorzustellen, wie sich das anfühlt, male mir aus, wie es aussieht, wenn sich die Lider heben, wie mich das Licht blendet…
…doch da sind keine Augenlider und keine Augen.
Ich versuche noch eine Weile diese Visualisierungstricks, doch dann schreibe ich meine Augen vorerst ab.
Ich werde sie später suchen.
Ich habe immer noch keine Angst, ich bin sicher, dass alles mit rechten Dingen zu geht, dass vielleicht etwas nicht ganz stimmt, aber es ist nichts Schlimmes.
Mir fehlen einfach nur meine Augen und meine Augenlider.
Ich mache mich auf den Rest meines Körpers zu inspizieren, ob noch etwas fehlt.
Wenn etwas kaputt geht oder etwas zerstört wird, dann muss man kontrollieren, was einem noch zu Verfügung steht, welche Systeme noch intakt sind, welche Routen in Krisengebieten noch zu befahren sind.
Solche merkwürdigen Gedanken habe ich, als ich versuche meine Arme zu bewegen.
Doch da sind keine Arme.
Ich spüre keinen Stoff auf meinen Armen, keinen Stein unter meinen Händen, keine Uhr an meinem Handgelenk und auch keine Ringe an den Fingern.
Ich kann meine Arme weder fühlen, geschweige denn bewegen, denn da sind keine Arme.
Erst als ich versuche meine Beine zu finden wird mir klar, dass ich nur Geist bin.
Ich bin nur meine Gedanken, meine Erinnerungen und meine Gefühle, ich habe irgendwo mein Außen eingebüßt und schwebe in diesem schwarzen Rot.
Wobei es „schweben“ nicht trifft, denn um zu merken, dass ich schwebe, bräuchte ich einen Körper, ein Gleichgewichtsorgan, das wahrnehmen könnte, dass ich schwebe, doch all das habe ich nicht mehr.
Ich bin hier, weiß nur dass ich bin, weil ich denke und ich bin ganz allein.
Ich habe keine Hülle mehr, nur noch das, was einmal in der Hülle war und ich bekomme Panik.
Es ist eine seltsame Panik, denn mein Atem kann sich nicht beschleunigen, mein Puls nicht rasen und ich kann nicht schwitzen.
Ich kann nur schreien, doch es ist ein lautloses Schreien, der Versuch einer Seele ohne Körper zu schreien…
…bloß der verzweifelte Gedanke an einen lauten Schrei.
„Futurematic“ von William Gibson
28. Mai 2008 von virtuelles_lichtDieses Buch ist der absolute Hammer, wenn ich das mal mit etwas kindlicher Begeisterung so schreiben darf, vor allem, wenn es einem irgendwie ein bisschen dreckig geht und man irgendwie ein wenig traurig ist, denn es verwandelt diese Gefühle in eine sanfte Melancholie.
Ich besitze die gebundene Version mit Lesebändchen von zweitausendeins, die einem das Gefühl gibt, ein richtig besonderes Buch in Händen zu halten und die Übersetzung ist wunderbar gelungen.
Vielleicht trägt das zum wohligen Lesegefühl bei, aber dieses Buch wäre auch als abgelutschtes Taschenbuch einfach nur wundervoll.

Auf deutsch gefällt mir die Geschichte um Laney, den Netzläufer, Rydell, den vierschrötigen Ex-Cop, Chevette, die Fahrradkurrierin, Rei Toei, der absolut künstlichen Frau und dem namenlosen Killer mit den philosophischen Nachtgedanken viel besser als im Original (das ich auch gelesen habe).
Deutsch kann eine sehr tragende poetische Sprache sein und bei „Futurematic“ wird das von den Übersetzern ausgenutzt.
Gibson hat das sprachliche Können, die Übersetzer das Gefühl für die angemessene Übertragung in die andere Sprache und das merkt man und das macht Spaß.
Wenn Rydell seine große Liebe wieder trifft und man als Leser seine Gedanken mitlesen kann und aber auch liest, wie er sie seiner Liebe nicht offenbaren kann, dann haut das sogar gefühlsschwache Leser aus den Socken, obwohl diese Stelle fast untergeht in all der Action um die Verfolgungsjagd, die irgendwann auf der Golden Gate Bridge tobt.
Alle Momente von großer Bedeutung für die Handlung sind, wenn es um die Gefühle oder Gedanken der Protagonisten geht, zart und dennoch unglaublich stark in der Aussage.
Wenn der namenlose Killer seinem Tao folgt und seine Philosophie angedeutet wird, dass er im Jetzt lebt und versucht Dinge zu tun, die im richtig erscheinen, dann mag das zuerst etwas komisch wirken, aber wenn man erkennt, wie wichtig selbst die Kleinigkeit einer verschenkten Uhr innerhalb der Geschichte wird, dann kann man verstehen, dass alles zusammenhängt, alles im Fluss ist und das Tao nach Ausgleich strebt.
Die Abschnitte in denn Laney in seinem Pappkarton nach diesem einen Typen im Netz jagt überspringe ich fast vollständig. Nur wenn er sich mit den Hackern der ummauerten Stadt trifft lese ich sie.
Diese Hacker und ihre Stadt treten auch sehr interessant in Erscheinung. Sie sind Hacker, die eine Stadt, die Ummauerte Stadt im Internet gegründet haben und diese „von innen nach außen gestülpt haben und dann darin verschwanden“.
Es ist ein Rückzugsort für Hacker, die immer unter einer „Bitfäule“ leidet, wie Gibson es beschreibt.
Die gekonnte Hässlichkeit als Beweis der eigenen Programmierfähigkeiten.
Schöne Avatare im Cyberspace sind nur etwas für kleine Mädchen, die Hacker erscheinen als Luftwirbel, Plüschkatze mit fehlenden Augen und Gliedmaßen oder als einfacher Mann im schwarzen Anzug.
„Rydell dachte an Klaus und den Hahn und beschloß, ersteinmal nach der Thermoskanne zu suchen.“
Klaus und der Hahn sind die Hacker, die scheinbar das Sagen in der Stadt haben. Naja, zumindest Klaus, der Hahn scheint eher schmückendes Beiwerk mit großer Klappe zu sein.
Sie befehligen die hackenden Armeen der Ummauerten Stadt, die Laney helfen die Welt vor einem unglaublichen Umbruch zu bewahren.
Um das zu bewerkstelligen müssen viele kleine Dinge passieren und viele Menschen an bestimmten Orten erscheinen.
Gibson verwebt die Geschichten von Rydell, der mit einem saufenden Countrysänger namens Creedmore nach San Francisco kommt, um für Laney „der Mann vor Ort“ zu sein mit den Geschichten des Ladenbesitzers Fontaine, des armen stummen Jungen Silencio und all der anderen Figuren, die auftauchen und irgendwie irgendetwas mit der Golden Gate Bridge zu tun haben.
In „Futurematic“ ist die Golden Gate Bridge nicht einfach nur eine Brücke. Vor vielen Jahren wurde sie von Obdachlosen und Protestlern gestürmt und ist seitdem besetzt.
Die Menschen dort haben sich eine kleine Stadt auf der Brücke aufgebaut, es gibt Läden, Restaurants und kleine Wohnungen.
Hier kommt es auch zum „Showdown“ des ganzen…dort und natürlich im Cyberspace.
„Das große Spiel“ von Orson Scott Card
28. Mai 2008 von virtuelles_lichtEin Roman, der nicht nur einer der besten Anti-Kriegsromane ist, sondern auch zeigt, was passieren kann, wenn man dem Staat zu viel Macht über das Volk gibt.
…und sei es auch mit noch so edlen Vorsätzen.
Die Geschichte beginnt mit dem kleinen Ender, ein sogenannter Dritt, was bedeutet, dass er das dritte Kind in einer Familie ist.
Das dritte Kind in einer Familie ist eine verachtete Besonderheit, die nur vom Staat toleriert wird, wenn die Familie vielversprechende Gene besitzt und die ersten beiden Kinder zwar geeignet, aber nicht völlig perfekt sind.
Gesucht wird vom Weltstaat nämlich nichts Geringeres, als das absolute taktisch-militärische Genie, das den hoffnungslos unterlegenen Menschen endlich den totalen Sieg gegen Aliens bringen soll, die nur „die Krabbler“ genannt werden.
Zu diesem Zweck werden gern mal die befruchteten Eier einer schwangeren Frau manipuliert und trotz Geburtenkontrolle eben diese Dritts zugelassen.
Sind Kinder gute Kandidaten, bekommen sie einen „Monitor“ eingepflanzt, der den Generälen die psychische Verfassung zeigt und alles, was die Kinder sehen und hören.
Ein paar Jahre müssen sie dieses Ding tragen, dann zeigt sich, ob sie auf eine Militärschule kommen.
Man darf hierbei nicht vergessen, dass sie dann gerade einmal 6 Jahre sind und ihren ersten Heimaturlaub frühestens mit 18 bekommen.
Allerdings schreiben die meisten Eltern ihre Kinder ab, sobald sie für die Militärlaufbahn ausgewählt werden, da die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass sie gar nicht mehr zurückkommen.
Ender jedenfalls scheint sehr geeignet, es scheint sogar, als könnte er das lang ersehnte taktische Genie zu sein, das die Generäle seit Jahren suchen.
Sein älterer Bruder schied aus, weil er zu grausam war, seine ältere Schwester, weil sie zu sanftmütig war, er scheint beide Charakterzüge in Balance zu halten.
Doch Ziel der Ausbilder ist nicht, ihm zu helfen sich zu entwickeln oder ihm eine gute Zeit auf der Schule zu machen. Genauso wenig soll er wie ein Kind behandelt werden oder Freunde finden. Er soll abgehärtet und isoliert werden, damit er seine Fähigkeiten entwickeln kann.
Natürlich alles mehr oder weniger aus dem Hintergrund.
Ender geht also durch die Hölle auf dieser Schule, während seine Schwester auf der Erde versucht den Mordgelüsten des anderen Bruder zu entkommen und das alles, bevor sie 12 Jahre alt sind.
Sobald Ender dann 12 Jahre alt ist, soll er eine Abschlussprüfung der Militärschule ablegen.
Es scheint, als hätten die Militärs auch diese Prüfung wieder zu seinen Ungunsten manipuliert, wie schon so oft in seiner bisherigen Ausbildung, nur um ihn zu formen.
Doch Ender will sich nicht brechen lassen und hält sich selbst an keine Regeln und kann die Simulation gewinnen, indem er alle Krabbler auslöscht.
Er erwartet für seine Missachtung der Regeln von den anwesenden hochrangigen Militärs niedergemacht zu werden, doch die überschütten ihn mit Glückwünschen, denn es war keine Simulation, sondern eine echte Schlacht, geschlagen von echten Soldaten, gegen echte Krabbler, die den Befehlen von Ender gefolgt sind.
Jetzt realisiert Ender, dass er eine ganze Rasse, eine ganze Zivilisation ausgelöscht hat….
Schon harter Stoff das Buch, vor allem, wenn man bedenkt, wie jung die Protagonisten sind.
Einer der Jungs, die mit Ender auf der Schule sind, musste in einem Nachschlagewerk in einem der Computer erst nachschlagen, was Kinder sind, um zu wissen, dass normale Kinder keine Waffen bedienen und andere Lebewesen umbringen.
Allerdings wird man keinesfalls Parallelen zu Kindersoldaten in Afrika finden, da gegen die afrikanischen Kindersoldaten die Kinder um Ender noch ein tolles Leben haben, allerdings sind sie dem Durchschnittseuropäer viel näher, was einem euch den Horror der Kindersoldaten irgendwie greifbarer macht, auch wenn es ein SciFi-Roman ist dessen Handlung in der Zukunft spielt.
Iron Man
28. Mai 2008 von virtuelles_licht Was würde man von einer Comic-Verfilmung erwarten?
Realismus pur? Leute kommt, das wird doch wohl kaum einer denken oder?
Wenn die Worte „Marvel“ und „Stan Lee“ im Vorspann kommen, dann bedeutet das, dass man den Realismus mal Realismus sein lassen soll und sich auf die Geschichte und die Charaktere konzentrieren soll…ok und auf das KAAAAWUUUMMM!
Wenn’s der Regisseur nicht versaut!
Brett Ratner hat’s ganz schön versaut bei X-Men 3. Mann, war der schlecht! Ich liebe Comicverfilmungen, aber X3 wurde total versaut!
Man merkt, wenn ein Regisseur die Comics auf denen der Film basiert, ernst nimmt und sie nicht nur als Möglichkeit nimmt, um 100 Minuten oder mehr mit einer größeren Explosion nach der anderen zu füllen.
Gut gemacht haben es auf jeden Fall Brian Singer mit „X1″, „X2″ und Tim Burton mit „Batman 1 & 2″.
Guillermo Del Torro hat „Hellboy“ auch super hinbekommen und auf das Sequel diesen Sommer freue ich mich auch. Dass Robert Rodriguez mit Quentin Tarantinos Hilfe einen super Job mit „Sin City“ gemacht hat, muss man ja kaum noch erwähnen.
Und auch die Wachowski Brüder haben mit „V for Vendetta“ endlich wieder einen guten Film gemacht.
Bei „Iron Man“ schließlich hätte man viel falsch machen können: Einen Anti-Kommunismus-Comic mit einem Helden, der vielleicht noch leichter als die anderen ins Lächerliche abdriften könnte…er trägt immerhin einen goldenen und roten Kampfanzug.
Aber der Regisseur war mit Jon Favreau wohl gut gewählt und Marvel, das erste mal einen Film ganz ohne Studio produzierend, hat sich bei der Wahl des Darstellers mit Robert Downey Jr. einen riesen Gefallen getan.
Der Gute hatte zwar eine wechselhafte Geschichte hinter sich, die auch von Drogen und Alkohol geprägt war, aber dass er schauspielern kann hat er spätestens mit der Chaplin Bio bewiesen in der er die Hauptrolle spielte und dass er auch merkwürdigen Stoff spielen kann hat er mit „A Scanner Darkly“ gezeigt.
Am genialsten ist wohl die Anfangssequenz in der er als arroganter und egoistischer Waffenhändler mit einem Glas Bourbon in der Hand in einem Humvee der US-Streitkräfte durch afghanisches Krisengebiet düst.
Der Ghettoblaster ist voll aufgedreht und man könnte meinen, er wäre auf einer Party. Bis er von irgendwelchen Warlords gefangen genommen wird und von ihnen den Befehl bekommt eine seiner eigenen Waffen zu bauen oder sie würden ihn töten.
Er jedoch baut einen Kampfanzug mit dem er sich befreit und der eine Art Prototyp des Iron Man-Kampfanzuges ist.
Soweit mal worum es in etwa geht.
Marvel wäre nicht Marvel, wenn es bei dieser nach Action riechenden Story nicht auch um etwas mehr geht, als nur um Waffen und KAAAAWWUUUMM!
Immerhin ist die Hauptfigur ein lässiger Frauenvernascher, der in Geld schwimmt und absolut keine Skrupel und noch weniger Ehrgefühl besitzt.
Downey spielt das so wundervoll, dass man ihn seltsamerweise trotzdem irgendwie sympathisch findet.
Geläutert wird er eben durch die Erlebnisse in Afghanistan und kehrt auch dort hin zurück, um als Iron Man seine eigenen Waffen zu vernichten, die von seinem Firmen-Co-Chef ohne sein Wissen unter der Hand an Terroristen verkauft wurden.
Vielleicht wurde hier einfach der Kommunist als Feind durch den Terroristen der in irgendwelchen Höhlen hockt ersetzt, aber Iron Man geht es ja vor allem darum seine eigene Schuld wieder wett zu machen..
Mehr Sühne als Rache und deshalb und genau dann liebe ich Marvel: Wenn die Comics eine total unrealistische Umgebung wählen, in der sie eventuell kaum ernst genommen werden, aber dennoch ein breites Publikum erreichen, um Themen anzuschneiden, mit denen sich sonst vielleicht kaum einer der Leser beschäftigt hätte.
Man darf nicht vergessen, wann diese Comics das erste Mal veröffentlicht wurden.
Bei den X-Men-Filmen gibt es auf irgendeiner DVD ein Special mit einem Ian McKellen-Interview. Ian McKellen ist Magneto oder auch Gandalf.
Er sprach davon, dass die X-Men-Comics in ihrer Botschaft sehr reale Themen anschneiden, denn er könne sehr gut nachvollziehen, wie sich die Mutanten fühlten. Denn genauso wie sie, war auch er als homosexueller Mann lange Zeit (oder ist es auch immer noch) eine Art Freak, ein Aussenseiter, etwas, dass die Masse der Gesellschaft nicht versteht oder fürchtet, eben weil es so anders ist.
Man bedenke, X-Men erschien 1963 das erste Mal.
Ian McKellen ist Jahrgang 1939.
Verfilmungen von Marvel-Comics sind also kein Blödsinn oder Müll, vor allem, wenn der Regisseur gut ist und Stan Lee irgendwo auftaucht.
Ich habe ihn auch in „Iron Man“ gefunden, denn auf diesem Benefiz-Ball da…das war NICHT Hugh Hefner
A Scanner Darkly
28. Mai 2008 von virtuelles_lichtEndlich habe ich mich getraut und mir „A Scanner Darkly“ gekauft. Ein Name hat mich natürlich dazu bewegt: Philip K. Dick.
Von ihm stammt der gleichnamige Roman nach dessen Vorlage der Film verwirklicht wurde.
Sonst sind Dick-Adaptionen eine lustige Mischung von peinlichem Müll, Popcorn-Unterhaltung und Meilensteinen der Filmgeschichte: „Bladerunner“; „Minority Report“, „Total Recall“, „Matrix“ etc.
„A Scanner Darkly“ ist sicher in erster Linie ein Drogenfilm…und in zweite Linie paranoid. Wobei es da ja eigentlich keine Unterscheidung geben muss, viele Drogenabhängige werden in Drogenfilmen gerne mal paranoid.
Ich mag den Film. Strange, aber irgendwie vertraut, da ziemlich viele Filme, ob mit oder ohne Drogen, in der letzten Zeit einen mehr oder weniger starke paranoide Grundhaltung aufwiesen.
Massenpsychologie: Die Medien als kollektives Unterbewusstsein der Konsumenten. Spätestens seit „Trust no one“ ist die Maxime „Nur weil Du nicht paranoid bist, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht hinter Dir her sind!“ eine Art heiliges Kulturgut der westlichen Welt.
Aber zurück zu „A Scanner Darkly“. Keanu Reeves, Robert Downey Jr., Woody Harrelson und Winona Rider wurden durch irgendein Verfahren zu Comicfiguren gemorpht. Steht dem Film gut und neckt das Auge. Mir gefällt’s, wer allerdings ein Bogen um Animiertes macht, der könnte entweder das kalte Gruseln bekommen oder die Gelegenheit nutzen, die bekannten Schauspielergesichter als Einstieg in die fließende Welt der animierten Filme zu nehmen.
Gut, dann noch etwas zum Inhalt:
Die US-Regierung hat eine neue Behörde ins Leben gerufen, deren Ziel die Bekämpfung einer neuen Droge darstellt, die in Amerika einen reißenden Absatz gefunden hat: Substanz T.
Diese Behörde gilt als Inbegriff der Undercoverarbeit, denn ihre Agenten setzen sogenannte „Jedermann-Anzüge“ ein, wenn sie sich in den Räumen der Behörde einfinden oder bei öffentlichen Auftritten, die dann aber wohl meist der Propaganda dienen.
Der Witz an diesen Anzügen ist, dass auf ihrer Oberfläche immer Stücke von Bildern von allen möglichen Personen gezeigt werden.
Von außen sieht dass dann so aus, dass die Person mit dem Anzug in einer Sekunde den rechten Arm eines dicken Bauarbeiters, den linken Arm einer jungen Kellnerin und den Kopf aus Stücken von vier anderen Köpfen hat und mit jeder weiteren Sekunde werden diese Bilder immer wieder neu gemischt.
Das kann einem beim Zusehen total irre machen, aber ist doch die Unerkennbarkeit absolut:
Wenn Du aussiehst wie all, dann bist Du keiner.
In „A Scanner Darkly“ geht es um Bob (Keanu Reeves), der ein solcher Agent ist.
Allerdings ist er auch abhängig von Substanz T und lebt mit seinen beiden Freunden, Barris (Robert Downey Jr.) und Luckman (Woody Harrelson) in seinem alten Haus in einer chaotischen Drogen-WG.
Haarige wird es, als sein Vorgesetzter ihm den Auftrag gibt, Bob zu observieren.
Er muss sich also selbst überwachen, da seine Vorgesetzten hoffen, über Bob an die Dealerin Donna (Winona Ryder) heran zu kommen, die Bobs Freundin ist.
Diese Freundin allerdings ist auch eine Undercoveragentin und will, dass Bob so sehr von Drogen zerstört wird, dass er Aufnahme in der Entzugsanstalt „NewPath“ erhält, die laut den neuesten Ermittlungen als Hersteller von Substanz T gilt.
Bob ist dann auch bald wirklich so fertig, dass er in eine „NewPath“-Einrichtung kommt, wo die Pflanzen gezüchtet werden, aus denen Substanz T gewonnen wird und er schafft es, eine von ihnen als Beweis einzustecken.
Immer wieder werden Andeutungen gemacht, dass noch mehr nicht ganz richtig ist in diesen USA, bei denen man auch nicht ganz genau weiß, ob sie eine USA der nahen Zukunft oder noch zusätzlich eines Paralleluniversums sind.
Menschen, die auf offener Straße verhaftet werden, werden von vermummten Männern in schwarzen Lieferwagen einkassiert und weggefahren und die allgegenwärtige Überwachung lassen nichts Gutes ahnen.
Es werden alle Elemente aufgegriffen, die in einem Dick-Roman nicht fehlen dürfen: Drogen, die Unsicherheit über die eigene Identität und Paranoia.
Wer mehr von Dick sehen will, kann entweder die anderen, schon genannten Filme ansehen, die auf Dick-Romanen basieren, aber in ihrer Umsetzung eigentlich nur noch wenig mit Dick zu tun haben, oder die Romane lesen.
Als Einstieg kann ich „Zeit aus den Fugen“ empfehlen. Ist nicht ganz so wirr und man erkennt, woher die Wachowskis ihre Inspiration für Matrix her hatten.



